„Engel für einen Tag“ – unsere Marketingabteilung hilft bei der Münchner Tafel – 05. August 2013


„Man sieht es den Leuten nicht an…“, sagte meine Kollegin Katrin kopfschüttelnd zu mir. Kurz zuvor hatten wir im Rahmen unseres einmal im Jahr stattfindenden Sozialprogramms „Engel für einen Tag“ die Münchner Tafel tatkräftig an einer Essensausgabestelle unterstützt.

Doch von vorne: Der Tag begann mit einer Führung auf dem Gelände der Münchner Großmarkthalle. Dort, direkt neben den großen Hallen, in denen Lebensmittel und Blumen gehandelt werden, befindet sich auch das zentrale Büro der Münchner Tafel. Von Frau Gau, einer rüstigen, älteren Dame, die schon seit mehr als 15 Jahren bei dem Verein hilft, erfuhren wir auch bald den Grund für die Standortwahl: bei den vielen Händlern aus aller Welt ist oft etwas zu holen. So hat es sich etabliert, dass jeden Morgen einige (meist weibliche) Mitarbeiter der Tafel, einen Rundgang durch die Hallen machen, und nach Lebensmitteln für die Tafel fragen. Wir wurden direkt mitgenommen und hatten am Ende eine ganze Palette voll Bananen, Avocados, Tomaten und Aprikosen vorzuweisen. Sogar Blumen wurden gegeben. Nach diesem Erfolg schmeckte der Latte Macchiato in der Kaffeepause gleich doppelt gut – vor allem das Sitzen war himmlisch, ist man doch als Marketeer sonst eher ans Sitzen im behaglichen Büro gewöhnt :).

Pünktlich um 13:30h öffnete dann die Ausgabestelle von Lebensmitteln ihre Pforten. Zuvor wurde die gesamte „Beute“, die zuvor in der Großmarkthalle, bei Produzenten und bei verschiedenen Bäckereien und Supermärkten eingesammelt wurde, auf langen Tischen aufgebaut. Der Anspruch der Tafel ist, einen Beitrag für die Grundsicherung von Bedürftigen zu leisten. Dafür kommen aber nur gute und sichere Lebensmittel auf den Tisch. Matschiges Obst oder abgelaufene MHDs (MHD steht für Mindesthaltbarkeitsdatum)? Fehlanzeige! Eine Mitarbeiterin der Tafel erklärte mir ihre Faustregel zum Einsammeln von Obst und Gemüse: die Lebensmittel sollen so sein, dass man selbst sie auch essen würde.

Bei der Ausgabestelle in der Großmarkthalle, bei der wir halfen, wurden 150 „Gäste“ erwartet. „Gäste“ werden die Bedürftigen genannt. Da es mehr Bedürftige als Plätze gibt, sind die Regeln der Tafel sehr strikt. Wer mehr als dreimal hintereinander fehlt, verliert den Anspruch auf seinen Platz. Interessant fand ich auch, dass die Reihenfolge, in der die Bedürftigen sich mit Lebensmitteln versorgen können, jede Woche wechselt. So ist man manchmal als Erster dran, und manchmal als Letzter.

Zusammen mit Rita, einer älteren Dame, und Maxi, einer Lehramtsstudentin, wurde ich bei der Brotausgabe eingeteilt. Auf speziellen Karten der Gäste konnte man auf einen Blick sehen, wie viele Personen der Bedürftige zu versorgen hatte. Die Zahl 2/3 beispielsweise stand für zwei Erwachsene und drei Kinder, 1/0 hingegen ließ auf einen Single-Haushalt schließen. Je nach Personenanzahl verteilten wir mehr oder weniger Brot und Brötchen in die Tüten. Der Renner bei der Brotausgabe war Weißbrot. Doch v.a. bei Familien mit Kindern achtete ich darauf, möglichst viele Vollkornprodukte einzupacken und vielleicht auch mal ein Croissant oder eine Quarktasche.

Die Gruppe der Gäste war bunt durchmischt. Es gab Familien und Singles, Alte und Junge, Ausländer und Deutsche. Manche waren sehr fordernd und äußerten Extrawünsche, die meisten hingegen waren sehr freundlich und dankbar und hatten auch mal einen Witz oder lockeren Spruch auf den Lippen. Meine Kollegin Katrin hatte auf jeden Fall recht: den Meisten Leuten sieht man Ihre Not nicht an.

Für mich war der Tag bei der Tafel eine sehr bereichernde Erfahrung. Ich kann nur jeden ermutigen, selbst einmal als ehrenamtlicher Helfer mitzumachen und etwas für diejenigen unserer Gemeinschaft zu tun, denen es nicht so gut geht. Meine Kollegin und ich haben uns jedenfalls vorgenommen: „Wir werden zum Wiederholungstäter“!

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