Allgemein07.03.2013
von Marion Fürst

„Was die einen zu wenig haben, haben die anderen zu viel“*

11 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jährlich durch Hersteller, Handel, Großverbraucher und Privathaushalte entsorgt. Dies hat eine vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Auftrag gegebene Studie zu Lebensmittelabfällen ergeben. „Es gibt eine erstaunliche Spannung in den heutigen Einstellungen zu Lebensmitteln“, so Professor Wolfgang Huber, Professor an der Humboldt-Universität Berlin und Mitglied des Ethikrates bei einem von Danone organisierten Round Table zum Thema ‚Lebensmittelverschwendung‘. „Einerseits wird erkannt, wie groß ihre Bedeutung für Gesundheit und Lebensgenuss ist, anderseits herrscht eine ‚Wegwerfmentalität‘ und eine äußert geringe Wertschätzung von Lebensmitteln in Deutschland.“  

Die massenhafte Lebensmittelverschwendung ist mittlerweile ein Problem, dem sich nicht nur die Verbraucher, sondern alle gesellschaftlichen Akteure stellen müssen: Die Lebensmittelhersteller, die Wirtschaft sowie die Politik. Die Informationskampagne „Zu gut für die Tonne“ vom BMELV kann ein Anfang im Kampf gegen die Verschwendung sein. Dabei spielt unter anderem das richtige Verständnis des „Mindesthaltbarkeitsdatum“ (MDH) eine Rolle, dass von Verbrauchern oft dahin gehend fehlinterpretiert wird, dass ein Lebensmittel nach Ablauf des MDH nicht mehr genießbar und daher wegzuwerfen sei.  

Wir denken aber auch, dass Einzelhandel und Produzenten gefordert sind:  Es muss gelingen, das Produktangebot an gesellschaftliche Strömungen anzupassen, einen verantwortlichen Umgang mit der Preispolitik zu finden und durch aktive Verbraucheraufklärung auf die Lebensmittelverschwendung angemessen reagieren zu können. Die Lebensmittelhersteller zeigen bereits Ansätze, nachhaltig zu wirtschaften: Verpackungsgrößen müssen der demografischen Entwicklung Rechnung tragen und variabel sein. Sowohl für Familien  als auch für Singlehaushalte sind adäquate Mengen anzubieten und ein Verderben übriggebliebener Lebensmittel zu verhindern. 

Professor Huber mahnt eine allgemeine Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft an. „Es sollten alle Akteure in die Zukunft blicken.“

* Professor Wolfgang Huber

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